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Bundesweites Netzwerk "Frauen in der Geschichte der Gartenkultur" - Tagung 2014 in Erfurt
Thema: Pflanzenproduktion aus Frauenhand - Zusammenfassungen der Vorträge

Tagungsort war die Fachhochschule Erfurt, Campus Altonaer Straße, Altonaer Straße 25
Ausführliches Programm im Anmeldeformular / Fotos von den Exkursionen

Prof. Dr. Ulrich Fellmeth (Universität Hohenheim):
Margarete von Wrangell - die erste Ordinaria in Deutschland

Die (nach dem gregorianischen Kalender) am 25. Dezember 1876 in Moskau geborene Margarete von Wrangell entstammt einer deutsch-baltischen Adelsfamilie, der Vater war Oberst in russischen Diensten. Sie durchläuft in Reval von 1888 bis 1894 die deutsche Mädchenschule in Reval und schließt dort mit dem Lehrerinnendiplom ab. Zehn Jahre bleibt sie in Reval und erteilt Privatunterricht. 1904 jedoch schreibt sie sich an der Universität Tübingen für die Fächer Botanik und Chemie ein, sie gehört damit zu den ersten ordentlich studierenden Frauen in Württemberg. Schon 1906 legt sie das Verbandsexamen als Chemikerin ab, es folgt 1909 die Promotion in Chemie (summa cum laude).

Nach einer knapp zweijährigen Assistenz an der landwirtschaftlichen Versuchsstation der kaiserlich-ökonomischen Societät in Dorpat, arbeitet sie 1910-12 als Studentin bei Sir William Ramsay in London, als Assistentin am Chemischen Institut in Straßburg und bei Marie Curie in Paris. Zweifelsohne ist Margarete von Wrangell im Jahre 1912 schon eine internationale und international beachtete junge Wissenschaftlerin.

Nun übernimmt sie die Leitung der Versuchsstation des Estländischen Landwirtschaftlichen Vereins in Reval. Erst die russische Oktoberrevolution vertreibt sie von dieser Stelle. Der Hohenheimer Direktor Warmbold holt sie nun 1918 als Mitarbeiterin an die Landwirtschaftliche Versuchsstation der Landwirtschaftlichen Hochschule. In Hohenheim führt sie ihre schon in Reval begonnenen Forschungen zum Phosphor in der Pflanzenernährung fort und kommt schließlich zu dem Ergebnis, dass das natürlich im Boden vorhandene Phosphorkapital durch geeignete Bodenbearbeitung, Nebendüngung und durch die Auswahl der Kulturpflanzen mobilisiert werden kann, was es ermöglicht, den notwendigen Eintrag von Phosphordüngern zumindest zu reduzieren. Diese Ergebnisse erregten schnell die große Aufmerksamkeit der Landwirtschaftspraktiker, aber auch der Düngemittelindustrie.

Im Jahre 1920 an der Landwirtschaftlichen Hochschule Hohenheim habilitiert und als Privatdozentin beschäftigt, knüpft sie Kontakte zur wissenschaftlichen Gemeinde, zur Industrie und Politik. Ende 1921 muss sich der Hohenheimer Lehrerkonvent mit dem Problem befassen, dass die Düngemittelindustrie die Mittel für die Errichtung eines Pflanzenernährungsinstituts bereitstellt, dass dieses Institut aber von Margarete von Wrangell als Extraordinaria geleitet werden soll. Diesem wird - wenn auch nur widerwillig - zugestimmt. Inzwischen erreichte Margarete von Wrangell jedoch der Ruf von Fritz Haber in das physikalisch-chemische Institut der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Berlin-Dahlem. Nun fordert Margarte von Wrangell in Hohenheim ein Ordinariat, also die Stelle einer ordentlichen Professorin. Der Hohenheimer Lahrerkonvent stimmt nun nur noch mit knapper Mehrheit zu.

Im Sommer ist Margarete zu Forschungen bei Fritz Haber in Berlin-Dahlem. In Hohenheim verzögerte man jedoch die Ernennung zur Professorin. Überdies werden vom Agrikulturchemiker Ehrenberg aus Breslau Plagiatsvorwürfe gegen sie geäußert. Erzürnt bemüht Margarte ihre Kontakte zur Düngemittelindustrie und zum Reichsernährungsministerium, das zuständige württembergische Ministerium reagiert sofort: zum 1. Januar 1923 wird Margarete von Wrangell zur ordentlichen Professorin und Leiterin des Hohenheimer Pflanzenernährungsinstituts bestellt.

Am Hohenheimer Pflanzenernährungsinstitut wird intensiv geforscht: 42 wissenschaftliche Arbeiten und 15 Doktorarbeiten werden von 1923 bis 1932 angefertigt. Neben der wissenschaftlichen Arbeit wird Margarete jedoch immer stärker mit Aufgaben des Wissenschaftsmanagements belastet.

Im Oktober 1931 erkrankt Margarete von Wrangell schwer und stirbt am 31. März 1932 als 55-jährige. Margarete von Wrangell war eine außerordentlich durchsetzungsfähige Frau, was ihr die Reserviertheit vieler, insbesondere ihrer Kollegen in Hohenheim eingebracht hat. Ihre fachliche Qualifikation stand und steht zwar außer Frage. Gleichwohl dürfte nur dieser Durchsetzungswille mit junkerhaften Zügen, die adlige Herkunft, die finanzielle Unabhängigkeit und die hervorragenden Beziehungen zur Industrie und zur großen Politik die damals beispiellose Karriere zur ordentlichen Professorin überhaupt erst ermöglicht haben.

Dr. Angela Pfennig (Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur):
25 Jahre ehrenamtliches Engagement für die Gartenkultur

Ich lebe und arbeite seit 1987 als Gartenhistorikerin in Stralsund. Wie ein roter Faden zieht sich das Anliegen einer Sensibilisierung für die gartenkulturellen Werte der Region Vorpommern und eines öffentlichen Diskurses zu den vielschichtigen Fragen der Förderung einer lebensfähigen und lebenswerten Stadt- und Kulturlandschaft durch all die Jahre meiner ehrenamtlichen Tätigkeit. Auch wenn es sich in meinem Beitrag um eine überwiegend persönliche Zwischenbilanz handelt, ist es mir sehr wichtig, die vielen Menschen in Gedanken mit einzubeziehen, ohne deren Engagement die Stralsunder gartenkulturellen Initiativen nicht ins Leben gekommen wären. Diese reichen übrigens weit über den hier betrachteten Zeitraum hinaus zurück.

Am Anfang jeder Aktivität steht immer die Frage der Motivation. Bei mir waren es wohl zum einen das starke Empfinden, etwas dem Geschichtslos-Sein oder dem Geschichtslos-Werden entgegensetzen zu müssen, sowohl in der Region als auch im eigenen Leben, zum anderen aber auch der immer schon vorhandene Wunsch, geistig-kulturelle Lebensleistungen und Biographien von Menschen zu würdigen, die mein Tätigwerden beeinflusst haben. Der Impuls, mich für den Erhalt, die Pflege und Entwicklung von Garten und Landschaft einzusetzen, entspringt immer einer inneren Notwendigkeit zum Handeln als Reaktion auf äußere Entwicklungen, der eine Suche nach Partnern und Assoziationen folgt.

Die äußere Form der Arbeit hat sich entsprechend der gesellschaftlichen Erfordernisse und persönlichen Entwicklungen wohl verändert, ihrem inhaltlichen Anspruch auf Verbreitung und Verlebendigung von gartenkulturellem Wissen sowie Öffnung des Bewusstseins für die unmittelbaren Lebenszusammenhänge zwischen Mensch und Kulturlandschaft ist sie aber stets treu geblieben. Die Organisation von Vortragsveranstaltungen und Seminaren, Führungen, Öffentlichkeitsarbeit sowie Pflegeeinsätze in öffentlichen Garten- und Parkanlagen standen und stehen hierbei im Mittelpunkt meiner ehrenamtlichen Tätigkeit.

Mein ehrenamtliches Engagement für die Entwicklung der Gartenkultur begann 1989 als Gründungsmitglied der Fachgruppe für Dendrologie und Parkgestaltung im Kulturbund der DDR und setzte sich 1998 fort als Gründungsmitglied der Interessengruppe Stralsunder Stadtgrün im Rahmen der DGGL. Aktiv beteiligte sich die Interessengruppe an aktuellen Diskussionen zur Grünpolitik in Stralsund, unter anderem zu den Themen Denkmalpflege und Grün oder Grün und Tourismus. 2006 gründete ich einen GartenSalon und 2011 die Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur als Raum der Begegnung mit Garten, Kunst und Landschaft, die als freie Initiativen nicht mehr dem Ehrenamt zuzuordnen sind, aber die gartenkulturellen Themen in der Öffentlichkeit konsequent weiter verfolgen.

Als vorläufiges Resümee kann man vielleicht festhalten: Es gab eine erstaunliche Fülle und Vielfalt an ehrenamtlichen gartenkulturellen Aktivitäten im Stralsunder Raum innerhalb von verschiedenen Vereinsstrukturen, die überwiegend von Frauen initiiert, organisiert und konzipiert und überwiegend von Männern präsentiert wurden. Die ambitionierte Arbeit der Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur gestaltet sich hingegen als ein ausgewogenes Miteinander von Frauen und Männern.

Dr. Joachim Schaier (Deutsches Gartenbaumuseum):
Ausbildung von Gärtnerinnen und die Rolle von Frauen in Erfurter Gartenbaubetrieben

In den letzten Jahren sind erfreulicher Weise einige Arbeiten erschienen, die "Frauen und Gärten" thematisieren. Darin werden Frauen aus dem höheren Bürgertum oder adelige Damen vorgestellt, die sich auf ihren Gütern und Grundstücken intensiv gärtnerisch betätigt und sich ein umfassendes botanisches Wissen angeeignet haben. Dazu kommen jüngere Darstellungen, die sich etwa der Berufssituation von Landschaftsplanerinnen widmen. Der vorliegende Beitrag nimmt als Ergänzung Frauen in den Blick, die in Erfurter Großgärtnereien des 19. Jahrhunderts tätig waren. In Rede stehen also Mitarbeiterinnen in erwerbsmäßigen Gartenbaubetrieben. Erfurt galt in dieser Zeit als das Weltzentrum des Gartenbaus. Hier waren zahlreiche und teilweise große Gartenbaubetriebe mit entsprechender Personalstärke angesiedelt, die fast die ganze Welt mit Gartenprodukten belieferten.

Der überwiegende Teil der Frauen arbeitete dort als angelernte Arbeiterinnen auf den Feldern beim Säen, Jäten und Ernten. Sie besaßen im engeren Sinn keine abgeschlossene Ausbildung zur Gärtnerin. Sie erlernten ihre Fertigkeiten in Ausübung ihrer Arbeit unter Anleitung eines Gärtners. Des Weiteren waren Frauen mit der Saatgutreinigung, dem Abwiegen und Abfüllen desselben oder mit der Herstellung gefärbter Trockenblumen befasst. Einen Schwerpunkt von Frauen- und Mädchenarbeit bildete die Blumen- und Kranzbinderei. Gärtnerisch anspruchsvolle Aufgaben lagen überwiegend in Händen lang gedienter, erfahrener Gärtner und Obergärtner. Der Verdienst von Frauen lag im Vergleich zu dem männlicher Kollegen deutlich niedriger. Zur besseren Einordnung der Gegebenheiten muss festgehalten werden, dass insbesondere die außerbetriebliche Aus- oder Weiterbildung auch von männlichen Gärtnern an Gartenbauschulen in Gärtnerkreisen umstritten war. Es herrschte vielfach die Auffassung vor, dass gärtnerische Praxis im Betrieb völlig ausreichend sei. Erst in den 1920er und 30er Jahren traten allgemeingültige Regeln für eine Gärtnerausbildung in Kraft. Abgesehen davon wurde aus Gärtnerkreisen noch um 1900 Frauen die Befähigung grundsätzlich abgesprochen, als ausgebildete Gärtnerinnen tätig zu sein. Als (vorgeschobener) Grund wurde die körperlich schwere Arbeit angeführt. Frauenarbeit wurde vielmehr im Bereich des Ästhetischen verortet, so dass ihnen etwa das Blumenbinden als eine angemessene Aufgabe zudiktiert wurde.

Etwa in den 20er Jahren eröffnete sich Frauen in Großgärtnereien ein neues Berufsfeld. Sie arbeiteten dort in neu eingerichteten Laboratorien für Saatgutuntersuchung vermutlich als chemisch-biologische Laborantinnen. Eine Sonderstellung in Gartenbaubetrieben nahmen teilweise die Ehefrauen der Inhaber ein, die oft aus bürgerlich gut situierten Kreisen stammten. Sie arbeiteten beispielsweise mit in der Buchführung oder leiteten nach dem Tod ihres Ehemannes für eine Übergangszeit den Betrieb, bis ein männlicher Nachfolger gefunden war. Oft oblag ihnen außerdem die Aufsicht im Blumenbindesaal. Da Frauen der Zugang zu einer regelrechten Ausbildung zur Gärtnerin weitestgehend verwehrt war, richteten ab 1890 Mitstreiterinnen aus der bürgerlich-konservativen Frauenbewegung private Gartenbauschulen für "Höhere Töchter" ein. Diese Ausbildungsmöglichkeit war auf Frauen aus den "gebildeten Ständen" mit entsprechender Schulbildung beschränkt. Ihr späteres Tätigkeitsfeld lag auch nicht in einer Gärtnerei. Vielmehr sollten sie als Ehepartnerin oder Hauswirtschafterin die Gartenarbeit in einem Gutsbetrieb anleiten können. Die ersten Studentinnen an der renommierten, staatlichen "Höheren Gärtner-Lehranstalt" in Berlin-Dahlem können im Jahr 1907 festgestellt werden.

Barbara Keller (open house - Projektwerkstatt für nachhaltige Lebensentwürfe):
Von Frauen, die Vielfalt erhalten – Engagement für die Sortenvielfalt

Seit 2006 habe ich mich für einen gentechnikfreien Landkreis Kitzingen eingesetzt und für eine Entwicklung des Kitzinger Lands zum Zentrum der Vielfalt.

Dabei entstand bei mir der Eindruck, dass Vielfalt ein Thema ist, für das sich besonders Frauen engagieren. In den Jahren meines Engagements sind mir viele Frauen begegnet. Sie arbeiten auf sehr unterschiedlichen Ebenen und in verschiedener Art und Weise. Aber es gibt auch verbindende Aspekte:

Der Mut anders zu sein, die Liebe zu Pflanzen, die Leidenschaft für gutes Essen und nicht zuletzt die Sorge um unsere Zukunft. Politisch aktive Frauen sind zum Beispiel Vandana Shiva aus Indien, Ana de Ita aus Mexiko, Dr. Ruth Tippe, Louisa Schmeiser aus Kanada und Jutta Sundermann. Beate Friedrich dagegen beschäftigt sich in einer Studie mit der Situation von Frauen, wenn es um Gentechnik und Vielfalt geht, Andrea Heistinger sammelt in Ihren Büchern Wissen über alte Sorten, Saatgutgewinnung um so das Gemeingut Sortenvielfalt wieder dar Allgemeinheit zugänglich zu machen.

Während Frauen wie Melanie Grabner ganz praktisch Vielfalt erhalten, vermehren und wieder zur Verfügung stellen. Meine Arbeit war von Erfolgen wie dem Würzburger Friedenspreis ebenso geprägt wie von Brüchen. Nach Jahren im Gentechnikwiderstand habe ich mich in den letzten Jahren vor allem auf die Vielfalt konzentriert und konnte mit dem von mir initiierten Verein open house das "Saatgut-Festival" etablieren, das den Besuchern Vorträge, Ausstellungen und vor allem einen Saatgutmarkt mit samenfesten Sorten bietet.

Mit der Saatgutarche, einer offenen Gruppe von Interessierten, die sich für Saatgutgewinnung und Sortenerhaltung einsetzen, verfolgen wir das gleiche Ziel wie mit dem Saatgut-Festival: Aus dem ehemaligen Zentrum des Gentechnikanbaus in Westdeutschland ein Zentrum der Vielfalt zu entwickeln.

Aglaja von Rumohr (Staudengärtnerei Gräfin von Zeppelin):
Meine Mutter, die "Iris-Gräfin" - Werdegang und Wirken der Iriszüchterin Helen Gräfin Zeppelin

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Aktualisiert am 01.10.2016